Die Küstenerosion hat in den nördlichen Regionen Kanadas weitreichende Folgen: Indigene Stämme müssen ihre Jagd- und Wohnräume verlassen, Kulturstätten rutschen ins Meer. Ein Ausblick.

Zuerst zwei Fakten. Erstens: Ein Drittel aller Küsten weltweit besteht aus Permafrost. Zweitens: Die Küsten der Arktis erodieren an einigen Stellen bis zu 30 Meter im Jahr. Da nun das Ausmaß der Bedrohung durch auftauende und anschließend vom Wasser ins Meer gewaschene Permafrostböden bekannt ist, folgen ein paar Informationen zur Permafrostforschung im Yukongebiet in Kanadas Norden.

Geforscht wird seit den fünfziger Jahren mit sogenannten Transekten. So nennt man einen Satz von Messpunkten, die meist auf einer geraden Linie liegen und Veränderungen in der Vegetation oder, wie im Fall der Erosionsforschung, der Küstenlinie aufzeigen soll. Dass die Küstenerosion gefährlich ist, sieht man an den Ergebnissen dieser Transekte. So zeichneten im Zeitraum von 1952 bis 2011 zwar 13% aller Messpunkte einen Küstenzuwachs auf, diese Zuwachse sind jedoch zu gering um die restlichen Messergebnisse aufzuwiegen. Denn 87% der Messpunkte zeigte eine Küstenerosion, in 28% der Fälle war diese höher als ein Meter pro Jahr.

Die voranschreitende Erosion gefährdet nicht nur das Ökosystem des Ozeans, sondern auch die Kulturstätten indigener Völker, die in Kanadas Norden beheimatet sind. Denn wenn im Jahr mehrere Meter Küstenlinie zurück ins Meer gespült werden, verschwinden mit dem Strand auch Fischerhütten und kleinere Siedlungen die teils seit mehreren Generationen existierten und für die jeweiligen Stämme eine enorme Bedeutung haben. Und noch eine beunruhigende Zahl zeigt das Ausmaß der abtauenden Permafrostböden: Bis 2070 werden, zumindest nach aktuellen Prognosen, 50 Prozent der historischen Ausgrabungsstätten im Yukon zerstört sein.

Auch wenn die kanadische Regierung viel Aufwand betreibt, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Bedrohung durch tauenden Permafrost zu richten, ist es unmöglich, den durch tauende Böden herbeigeführten Schaden ungeschehen zu machen. Und so bleiben nicht nur ein Drittel der Küsten dieser Welt gefährdet, sondern auch die historischen Stätten in ihrer Nähe.