Lange galt die Erwärmung des Klimas als abenteuerliche Verschwörung, gar als haltlose Panikmache. Inzwischen aber sind die Folgen bewusst – und das Thema ist zum wichtigen Gegenstand weltpolitischer Diskussionen geworden. Für die Wissenschaft ist das ein gutes Zeichen und Anlass für eine stark wachsende Forschergemeinschaft. Und diese untersucht schon das nächste Klimaproblem.

Für 195 Staaten war Paris im vergangenem Jahr wohl eines der wichtigsten politischen Aufeinandertreffen. In 13 Tagen schufen und vereinbarten die wichtigsten Politiker und Wissenschaftler der Länder einen verbindlichen und einheitlichen Klimavertrag. Dass dieser längst nötig war zeigt eine den Forschern schon lange bekannte Problematik: Tauende Permafrostböden.

Diese Dauerfrostböden, deren Stärke zwischen 30 Zentimetern und zwei Metern variiert, finden sich unter etwa 24 Prozent der weltweit freiliegenden Landmasse auf einer Tiefe von bis zu 1500 Metern. Durch die anhaltende Klimaerwärmung beginnen die Permafrostböden zu tauen und eine Gefahr freizusetzen, die globale Katastrophen zur Folge hätte.

Bis zu 1.600 Gigatonnen Methan

Während der letzten Eiszeit wurden die Bodenschichten, die heute den sogenannten Permafrostboden bilden, eingefroren. Mit ihnen wurden viele organische Bestandteile, wie etwa Pflanzenreste oder Teile von Tierkadavern, konserviert. Taut der Boden auf ist das für die darin ebenfalls gefrorenen Bodenmikroben ein echter Weckruf:

Sie beginnen damit die organischen Verbindungen zu zersetzen. Der darin gespeicherte Kohlenstoff wird so zu CO2. Wird dieser durch die tauenden Böden in die Atmosphäre freigesetzt, hat das verheerende Folgen für die Umwelt. Forscher sprechen von einem sogenannten „Rückkopplungseffekt“.

Das CO2 gelangt in die Atmosphäre und die Erderwärmung beschleunigt sich durch die hinzukommenden Emissionen. Durch die gestiegenen Temperaturen würde auch das Tauen der Permafrostböden beschleunigt – und somit der Emissionsausschuss in die Atmosphäre.

Das COist jedoch nicht das  größte Problem. Durch das Verzehren des organischen Materials wird neben COauch Methan freigesetzt. Innerhalb der ersten 100 Jahre ist ein 1kg Methan rund 25 Mal so schlimm wie 1kg CO2. „Dieses Eis am Meeresboden wirkt bisher als Deckel für die Metanhydrate“, sagt Hans-Wolfgang Hubberten, Permafrostexperte am Alfred-Wegner Institut. „Wenn es zu tauen begonnen hat, ist der Permafrost nicht mehr zurückholbar“.

800 Wissenschaftler kommen zusammen

In diesen Tagen treffen sich somit rund 800 Klimaforscher zur 11. Internationalen Permafrostkonferenz in Potsdam. Erstmals tagen die Wissenschaftler in Deutschland und haben über vier Tage die Möglichkeit sich mit anderen Wissenschaftlern über neue Erkenntnisse auszutauschen.

Die Zahl der Wissenschaftler, die zum Thema Permafrost forschen, steigt“, sagt Ylva Sjöberg, von der Universität Stockholm. „Angespornt durch den Klimawandel versuchen wir alle zusammen und jeder auf seinem Gebiet, ob zum Beispiel zur Infrastruktur oder zu Treibhausgasen, herauszufinden welche Auswirkungen Permafrost hat und was wir ändern müssen“.

Da die Konferenz nur alle vier Jahre stattfindet sei „die Veranstaltung für die Wissenschaft sehr wichtig“, so Michael Krautblatter, von der Technischen Universität München. Sie haben so die Gelegenheit sich über den gesamten Tag Vorträge zu den neusten Erkenntnissen anzuhören oder in einzelnen Gesprächen Lösungen gegen das Tauen der Böden zu finden. Denn Ylva Sjöberg ist sich sicher: „Finden wir keine Lösung für das Problem, wird der Permafrost unser aller Leben beeinflussen“.