Was passiert eigentlich, wenn Großprojekte auf oder in Permafrostboden gebaut werden? Mehrfach wurde schon versucht, die Permafrostböden in Alaska auf den einen oder anderen Weg zu erschließen. Die beiden größten Projekte, der Alaska Highway und das Trans-Alaska-Pipeline-System (TAPS) verliefen im Bau sehr unterschiedlich.

Der Alaska Highway gilt als das erste nordamerikanische Großbauprojekt auf Permafrostboden, ohne dass die Amerikaner von dessen Existenz wussten. Baubeginn war im Sommer 1942, da sich nach dem Angriff auf Pearl Harbour die Frage nach der Sicherheit Alaskas im Kriegsfall gestellt wurde. Also begannen amerikanische Bulldozer damit, die Bäume niederzureißen und das Moos zur Seite zu schieben. Ohne den Schatten der Bäume und den Schutz des Mooses war die Sonneneinstrahlung auf dem Boden natürlich intensiver. Infolgedessen taute der Permafrostboden auf und die amerikanischen Baumaschinen mussten gegen Schlammmassen ankämpfen, in die sich der nun aufgetaute Boden verwandelte. Es dauerte seine Zeit bis eine wirksame Methode gefunden wurde, dem Schlamm zu trotzen. Beim Bau einer sogenannten „corduroy road“ werden die Äste der gefällten Bäume mit einer ca. einen Meter dicken Schmutz- und Geröllschicht bedeckt.

Neben der Tatsache, dass das amerikanische Militär eine ca. 6000 Jahren genutzte Technik „erfand“, hätten sie auch einfach die Goldgräber fragen können, die die sogenannte „corduroy road“ schon Jahrzehnte vor dem Bau des Alaska Highways nutzten.

Als Beispiel für ein gelunges Permafrost-Großprojekt wird oft das Trans-Alaska Pipeline System (TAPS) angeführt. Auch wenn die 1300 km lange Pipeline, die von Prudhoe Bay nach Valdez, Alaska führt, beinahe das gleiche Schicksal ereilt hätte wie den Alaska Highway etwa 30 Jahre zuvor. Als 1969 eine Allianz aus drei Ölfirmen das Bauvorhaben nach der traditionellen, unterirdischen Methode vorstellte, wurde es sofort gestoppt und die Auflagen geändert. Denn wenn man 60 Grad heißes Öl durch eine unterirdische Leitung durch Permafrost pumpt, „schneidet die Pipeline wie ein Messer durch flüssige Butter“, so  der auf Permafrost spezialisierte Ingenieur Terry McFadden. Nach vielen Tests, wie etwa der Analyse von 30.000 Bodenproben aus 3.000 Bohrlöchern und der Auswertung von zahlreichen Luftbildern, konnte 1974 mit dem Bau begonnen werden. Gelöst wurde das Permafrostproblem durch eine innovative Bauweise. Auf Streckenabschnitten ohne Permafrostboden wurde die Pipeline unterirdisch, Teilstücke auf Permafrostboden überiridisch gebaut. Durch komplizierte Bodenkühlsysteme neben der Pipeline wird der Permafrostboden kühl gehalten und so vom Auftauen abgehalten. Unter anderem diese Technik sorgte dafür, dass die Gesamtkosten auf acht Milliarden US-Dollar stiegen, was nach heutigen Maßstäben etwa 31 Milliarden US-Dollar sind.

Doch auch dieses Großprojekt ist, wie vermutlich jedes andere auf der Welt, nicht vor Störungen gefeit. Der Boden hält bis heute, jedoch scheint die Pipeline nicht idiotensicher zu sein. Die zwei größten Zwischenfälle wurden durch menschliches Versagen ausgelöst. 2003 brach ein Bagger, der ursprünglich einen Baum greifen wollte, die Pipeline in zwei Teile. Dabei gingen etwa 7.000 Barrel Rohöl verloren. Des weiteren gelang es einem betrunkenen Jäger im Jahr 2001, die eigentlich schusssichere Pipeline an einer Schweißnaht zu treffen. Durch diese Zielsicherheit der besonderen Art gingen 6.000 Barrel verloren, der Jäger konnte später festgenommen werden.

So sind auch Meisterleistungen der Ingenieurskunst nicht zu 100 Prozent vor den Menschen geschützt. Trotzdem erfordert das Bauen auf Permafrost ein erfahrenes Team, das genau weiß, mit welchen Widrigkeiten es zu kämpfen hat. Der Bau des TAPS ist dafür ein eindrucksvoller Beweis.